Ein schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer, eine Sammelbildchen-Tauschbörse oder Live-Stream am Arbeitsplatz, geht das?

Autor: Dr. Alexander Wiencke - 11. Juni 2018 - Arbeitsrecht

 

Ab dem 14. Juni 2018 findet die diesjährige Fußballweltmeisterschaft in Russland statt. Worauf man als Arbeitgeber und als Arbeitnehmer in den kommenden Wochen achten sollte, soll Gegenstand der nachfolgenden kurzen Betrachtung sein.

Zunächst gilt, dass ein Arbeitnehmer grundsätzlich keinen Anspruch darauf hat, während der Arbeitszeit Spiele der WM im Fernsehen oder im Live-Stream zu verfolgen, da der Arbeitgeber aufgrund des ihm zustehenden Direktionsrechts die Arbeitszeiten vorgibt. Auch hat ein Arbeitnehmer keinen Anspruch darauf, das Spiel auf einem gesonderten Bildschirm zu streamen, da er dann nicht mehr in der Lage sein dürfte, seine vertraglich geschuldete Arbeitsleistung konzentriert und sorgsam zu erbringen.

Dementsprechend darf ein Mitarbeiter den Internetzugang seines Arbeitgebers nur dann nutzen, um einen Live-Ticker oder Spielberichte zu lesen, wenn die Mitarbeiter Internetzugang auch für private Zwecke nutzen dürfen. Selbst wenn eine derartige Erlaubnis vorliegt, ist es nur zulässig, hin und wieder sich über den Stand eines Fußballspiels zu informieren. Ein exzessiver Gebrauch ist hingegen untersagt. Etwas anderes gilt jedoch im Hinblick auf Arbeitspausen.

Selbst wenn der Arbeitgeber den Internetzugang für private Zwecke untersagt hat, ist es einem Mitarbeiter auch nicht gestattet, seine Privatgeräte zur Verfolgung der Weltmeisterschaftsspiele zu nutzen. Gestattet ist auch hier dann also lediglich ein sporadischer Blick auf einen Zwischenstand. Unzulässig wäre es also, die Arbeit zu vernachlässigen. Letztgenanntes würde eine Pflichtverletzung darstellen, die einen Arbeitgeber zum Ausspruch einer Abmahnung im Sinne einer gelben Karte berechtigen würde, eine rote Karte, also eine Kündigung, wäre allerdings nur nach vorheriger Abmahnung in extremen Fällen sozial gerechtfertigt.

Einem Arbeitnehmer ist es grundsätzlich gestattet, solange keine verbindliche Kleiderordnung gesetzlich oder aufgrund einer Betriebsvereinbarung gilt, im Trikot einer Fußballnationalmannschaft, der er anhängt, am Arbeitsplatz zu erscheinen. Dies gilt jedenfalls dann, wenn es sich um einen Backoffice-Mitarbeiter handelt, für den klassischen Bankangestellten würde diese hingegen nicht gelten.

Ein Arbeitgeber hat auch das Recht, Tipp-Spiele oder die Veranstaltung einer Tauschbörse von Sammelbildchen während der Arbeitszeit zu untersagen, vor oder nach der Arbeit bzw. in den Pausen kann dieses arbeitgeberseitig allerdings nicht beanstandet werden. Nur mit Genehmigung des Arbeitgebers kann ein Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz mit Fahnen oder sonstigen Fan-Artikeln schmücken, wobei er insbesondere auch Rücksicht auf Kolleginnen und Kollegen nehmen muss, die ggf. eine andere Mannschaft als die ihrige ansehen.

Viele Arbeitnehmer haben einen Dienstwagen. Darf dieser auch privat genutzt werden, dürfen Flaggen oder ähnliches befestigt werden, solange der Dienstwagen nicht durch Aufkleber o. ä. einen Rückschluss auf den Arbeitgeber zulässt. Im letztgenannten Fall bedürfte es der Genehmigung durch den Arbeitgeber.

Einige wenige Arbeitnehmer haben vielleicht das Glück, noch ein Ticket für eines der WM-Spiele zu gewinnen oder zu erwerben. Dann stellt sich die Frage, ob der Arbeitgeber dem Urlaubsantrag entsprechen muss. Dieses ist grundsätzlich zu bejahen, wenn nicht betriebliche Belange einer kurzfristigen Urlaubsgewährung entgegenstehen sollten.

Zusammenfassend empfiehlt sich also, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer auftretende Fragen sinnvollerweise mit dem Ziel einer Einigung kommunizieren sollten, um schon im Vorfeld Konflikte zu vermeiden.

Auch sind Arbeitgeber, wozu auch einige meiner Partnerinnen und Partner und ich selbst gehören, durchaus fußballinteressiert, so dass durch eine Implementierung einer guten Atmosphäre beiden Seiten gedient sein kann.

Enden möchte ich mit einem Spruch, den ein Fußballreporter aktuell immer wieder am Ende seiner Reportage verwendet: „Bleiben Sie sportlich!“

Ich selbst wünsche viel Spaß mit der Fußball-Weltmeisterschaft und hoffe, dass das objektiv beste Team den Titel gewinnen möge.

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